TEDMED Talk: Der Traum vom Open Access in der Wissenschaft

Ginge es um die Wissenschaft allein, dann wären Studien wohl für Jedermann zugänglich. Ganz egal ob Jedermann nun Ivy-League-Student, Doktorand einer Provinzuni oder Hobby-Wissenschaftler ist. Da es bei der Veröffentlichung aber nicht nur um die Wissenschaft, sondern auch um sehr viel Geld geht, bleibt der Inhalt so mancher Studie hinter finanziellen Hürden verborgen.

Bis zu 40.000 Dollar jährlich kann das Abonnement eines einzigen Journals kosten. Nicht jede Uni kann das stemmen, Privatpersonen erst recht nicht. Und sogar die legendäre Harvard University im US-amerikanischen Cambridge plant ihre Abos zu reduzieren, wie sie letztes Jahr in einem öffentlichen Brief bekannt gab. Viele große Wissenschaftsverlage hätten den wissenschaftlichen Austausch finanziell unhaltbar und akademisch restriktiv gemacht. Verschärft würde diese Situation durch ihre andauernden Bemühungen, Journals zu erwerben, zu bündeln und teurer zu machen, heißt es in diesem Brief.

Tatsächlich sind viele Journals in kürzester Zeit erheblich teurer geworden. Zwischen 1984 und 2002 sei der Preis um knapp 600 Prozent angestiegen, wie Aaron Edlin und Daniel Rubinfeld von der University of California in Berkely 2004 schreiben. Ähnliches berichtet man von der Ostküste: Innerhalb von 6 Jahren sei allein der Preis für den Online-Content zweier Verlage um 145% Prozent gestiegen. Mittlerweile müsste die Harvard Library deshalb 3,75 Millionen Dollar jährlich zahlen. Damit seien sie so teuer geworden, dass sie sogar die Mittel einer Lehrinstitution überschreiten, beklagt Harvard.

Bereits seit einigen Jahren stehen deshalb renommierte Wissenschaftler dafür ein, dass sich etwas ändert. Open Access zu allen Studiendaten, so lautet der Traum von Vorreitern wie Patrick Brown, Michael Eisen und Harold Varmus, den Vätern der Public Library of Science (PLoS). Auch Elizabeth Marincola träumt denselben Traum: “Die einzigen Grenzen wissenschaftlicher Bewertung sollten die unseres eigenen Verstandes sein”, fordert die Präsidentin der Society for Science & the Public auf der TEDMED 2013. Sie wünscht sich, dass bald jeder Student und jeder Wissenschaftler von jeder Studie profitieren kann, egal wo auf der Welt diese erhoben worden ist.

Ganz einfach ist das allerdings nicht durchzusetzen, trotz wiederholter Petitionen und Initiativen wie kürzlich erst in Cambridge geschehen. Das Problem: Der Gegner habe laut Marincola zu viel Macht. Die Top 3 der Wissenschaftsverlage – Elsevier, Springer and Wiley – würden jeder jeweils tausende Fachjournals kontrollieren. Fast die Hälfte aller veröffentlichten Studien (42%) wird bei ihnen herausgegeben. Dem nicht genug, denn Wissenschaftsverlage sind längst nicht die einzig Mächtigen im Spiel um einflussreiche Publikationen. Hinter vielen Journals stehen große Fachgesellschaften. Die würden mit ihren Publikationen nicht nur Renommée verdienen, sondern auch viel Geld. Aufgeben wolle das so schnell niemand, meint Marincola.

Hinzu käme, dass die Journals den Grenzen des Papierdrucks unterworfen seien. Ungünstig sei beispielsweise, wenn man sein Paper zeitgleich mit anderen Top-Studien veröffentlichen will. Da für alle gar kein Platz im Fachmagazin sei, könne es passieren, dass auch derartige Faktoren mit über den Druck und die Seitenzahl entscheiden.

Unverhältnismäßig viel Profit soll nach Meinung der Verfechter des Open Access nicht aus den Publikationen entstehen. Doch ganz ohne finanzielle Mittel geht es natürlich nicht. Auch ein frei zugängliches Journal kostet Geld. Nur soll dieses nun nicht mehr von den Lesern, sondern den Urhebern kommen. Bis zu mehreren Tausend Euro kann den Forschern eine Veröffentlichung kosten. Auch dafür sollen die Forschungsgelder in Zukunft herhalten.

Die Methode ist aber nicht nur deswegen umstritten. Denn mit dieser Finanzierung ergeben sich auch für Betrüger ganz neue Möglichkeiten. Die Gründung neuer, unseriöser Journals entwickelt sich plötzlich zum lukratitiven Geschäft. Längst schon beklagen namhafte Wissenschaftler mit solchen Fake-Journals zugespammt zu werden. Mit jeder Email kommt dann die Aufforderung zur Veröffentlichung eigener Studiendaten – die dann anschließend in Rechnung gestellt wird.

Immerhin: Dagegen hat die Wissenschaft schon eine neue Waffe geschmiedet: Scholarly Open Access. Der Amerikaner Jeffrey Beall sammelt dort die Namen von all jenen Fake-Journals, die er bereits entlarven konnte. Jeder Wissenschaftler, der sich bei einem neuen Angebot unsicher ist, kann sich dort also vorab vergewissern. Es wird wohl aber noch vieler weiterer Ideen bedürfen, um das derzeitige Dilemma zu lösen. Denn ganz ohne Geld und auch Gewinn geht es natürlich nicht. Bleibt nur zu hoffen, dass obdessen der Zweck der Wissenschaft nicht ganz vergessen wird.

Foto: “Lock”, Donald Townsend,CC

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3 Comments

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