Social Media beeinflusst Therapie-Entscheidungen

Mittlerweile ist es auch nach Deutschland durchgedrungen: Social Media ist längst kein nichtiger Belang junger Leute mehr – sondern wird auch hierzulande längst als einzigartige Möglichkeit des Informationsaustausches angesehen. Mit Twitter, Facebook und WordPress können Unternehmen und Selbstständige unmittelbar mit ihren Kunden reden und so gezielt auf deren Wünsche eingehen. Zweifelsfrei eine Win-Win-Situation.

Zunächst ebenso gewinnbringend erscheint ein anderer Anwendungsbereich: Social Media könnte ein Stützpfeiler der Gesundheitsbranche werden. Denn Medizin-Communities, vernetztes Fachpersonal und Gesundheits-Organisationen können genau das leisten, was der Hausarzt eben nicht kann – eine allgemein verständliche Rund-um-die-Uhr-Betreuung bieten. Und noch viel mehr als das.
Doch mit der Gesundheit ist es eben immer anders, gerade in Deutschland. Hier wird schon vehement darum gekämpft, sich einen falschen Facebook-Namen zu erhalten. Da ist die Freigabe von medizinischen Informationen gerade zu utopisch.

Zumindest jetzt noch. Denn Generation 2.0 vertraut dem Netz wesentlich mehr als ältere Internet-Nutzer, hierzulande wie auch anderorts. Das kann man zum Beispiel im aktuellen Bericht des Health Research Institute vom PricewaterhouseCoopers-Verbund (PwC) lesen.

Demnach seien 80 Prozent der 18- bis 24-Jährigen US-Nutzer bereit, Informationen über ihre eigene Gesundheit via Social Media zu teilen. Bei den 45- bis 64-Jährigen sind es gerade einmal 45 Prozent. Gar nicht mal so schlecht. In Deutschland dürften die Zahlen allerdings noch wesentlich geringer ausfallen.

Was nützt das?, mag der deutsche Skeptiker da fragen. Geteiltes Leid mag zwar halbes Leid sein – nur heilt das wohl auch keinen Bluthochdruck. Vielleicht aber doch. Denn der digitale Austausche mit Laien und Fachkräften erhöht die Compliance und beeinflusst dessen Therapieentscheidungen. Auch das konnte der PwC-Bericht demonstrieren.

Fast die Hälfte (45 Prozent) der untersuchten US-Amerikaner gab beispielsweise an, dass Social Media sie bei der Einholung einer Zweitmeinung beeinflussen würde. Über 40 Prozent waren der Meinung, die sozialen Plattformen würden ihre Umgehensweise mit chronischen Erkrankungen verändern – tatsächlich ein besonders schwieriger Teil der Analog-Therapie.

Denn bei Diabetes und Arteriosklerose nützt es wahrlich nicht, einige Wochen lang ein paar Pillen zu schlucken. Wohlstandskrankheiten sind lebenslange Krankheiten – und die benötigen eine lebenslange Therapie. Gerade deshalb fällt es so vielen Betroffenen schwer, den Empfehlungen des Arztes zu folgen. Schließlich lockt der Alltag mit allerlei Ablenkungen und drängenden Lastern.

Genau hier könnte der stetige Austausch helfen. Patienten mögen zwischenzeitig aus der Bahn gelenkt werden – werden dann aber rechtzeitig wieder auf den rechten Weg gebracht, durch Leidensgenossen oder medizinische Berater. Der Klick auf dem Smartphone ist schließlich wesentlich einfacher als ein Arztbesuch.

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