EKG aus der Hosentasche

Ein wenig empört war ich schon. Schließlich habe zum EKG (Elektrokardiogramm) während meines Medizinstudiums einige mühsame Lektionen lernen müssen: Wo man die vielen bunten Elektroden platziert, wie man jede noch so alte EKG-Kiste zum Laufen bringt und warum ein Kabelsalat eine ganze Aufzeichnung verderben kann. Und jetzt kommt AliveCor. Da soll auf einmal jeder seine Herzströme messen können, ganz ohne Kabel, Elektroden und altbackene Geräte. Was für eine Unverschämtheit!

Zugegebenermaßen eine ziemlich geniale Unverschämtheit. Denn wenn der Mediziner seine eigene Eitelkeit erst einmal überwunden hat, muss er ganz klar zugeben: So ein Gerät könnte sowohl den Krankenhaus-Alltag als auch die Versorgung von Herzkranken ungemein verbessern. In der Klinik müsste man das rollende EKG nie wieder mühsam von Patient zu Patient ausleihen. Oder gar eine Überweisung an eine andere Abteilung schreiben. Und Zuhause könnten Patienten mit Herzrhythmusstörungen nun endlich kontrollieren, ob ihr Herz auch immer so arbeitet wie es soll.

Foto: www.alivecor.com

Dazu muss der Patient weder Technik- noch Mobilexperte sein. Ein spezielles iPhone-Case macht das Handy zu einem Messgerät. Zwei Elektroden messen dann die Herzströme, sobald das iPhone mit beiden Händen umfasst wird. Die Messwerte werden dann an eine App gesendet und dort ausgewertet. Einmal auf dem iPhone angekommen, kann die Datenmenge dann auch problemlos in der Hosentasche umhergetragen werden – beispielsweise gleich zum nächsten Termin beim Hausarzt.

Und der wird sich wohl eher freuen denn empören. Nicht nur, dass ihm endlich verlässliche Langzeitdaten zur Verfügung stehen. Dank des direkten Patienten-Feedbacks könnten die Ergebnisse auch zunehmend besser werden. Wer möchte, dass sich Patienten mehr für ihre Gesundheit engagieren muss ihnen vor allem eins zur Seite stelle: Mehr Informationen.

 (Foto: www.alivecor.com)

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